Ostfriesische Inseln in der Corona-Krise

Die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen die Ostfriesischen Inseln hart, die vom Tourismus leben.

Die Bewohner der Ostfriesischen Inseln kennen es, von der Welt abgeschnitten zu sein. Doch die Osterzeit fiel auf Juist ungewöhnlich still aus. Hier kann sich niemand erinnern, wann diese Ferienzeit das letzte Mal ohne Gäste stattfand. Auch auf Norderney und Baltrum ist die erste Saison des Jahres 2020 wegen der Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgefallen.

Am 15.03.2020 hatte die Niedersächsische Staatskanzlei angekündigt, dass der Zugang zu den Inseln für Touristen unterbunden werden soll. Kurz darauf erließ der Landkreis Aurich eine Allgemeinverfügung über die Beschränkung des Zugangs zu den Inseln der Nordsee im Kreisgebiet zum Schutz der Bevölkerung vor der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2. Darin heißt es, dass es den Fährbetrieben und Flugdiensten fortan untersagt ist, Personen auf die Inseln zu befördern, die keinen ersten Wohnsitz dort nachweisen können. Auch die Zweitwohnungen auf den Ostfriesischen Inseln mussten geräumt werden. Außerdem wurde den Fähr- und Flugbetrieben untersagt, Personen von der Insel auf das Festland zu befördern, die ihren ersten Wohnsitz auf der Insel (sprich Insulaner) haben. Daraufhin haben die Inselflieger/FLN den Flugbetrieb eingestellt. Die AG Reederei Norden Frisia hat einen veränderten Fahrplan herausgebracht.

 

Tourismus für Zuhause

Wasserturm Juist (Foto: © Kurverwaltung Juist)

Seitdem sind anderthalb Monate vergangen. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen sind ebenso geschlossen wie die Nationalpark-Häuser, Museen, Spielplätze und die Tourist-Informationen. Alle Veranstaltungen sind entweder abgesagt oder wie die Gesundheitswoche 2020 auf Juist wegen des Corona-Virus auf den Herbst 2020 verlegt worden.

Nicht nur auf den Ostfriesischen Inseln versucht man, kreativ mit der Krise umzugehen. Da Juist für Besucher gesperrt ist, kommt die Insel eben zu ihren Gästen nach Hause. Die neue Kampagne der Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) greift den Gedanken auf: „Oostfreesland för dien Stuuv – 12 Tipps, um Ostfriesland zu sich nach Hause zu holen“ lautet das Motto. Statt der Bewerbung von konkreten Angeboten und Reisen nach Ostfriesland wird derzeit auf gezielte Aktionen und Inhalte gesetzt, mit denen Gäste die Region auch von Zuhause aus erleben können.

Zu den Tipps und Empfehlungen der OTG gehören beispielsweise eine Anleitung für eine private Teezeremonie, die Game-App Watten Games, verschiedene Bastelbögen mit typischen Tieren des Wattenmeeres, Rezepte zum Nachkochen am heimischen Herd, eine Ostfriesland-Playlist sowie eine Mediathek mit TV-Beiträgen über Geschichten und Persönlichkeiten aus Ostfriesland.

Die Juisterin Hannah geht täglich mit ihrem Hund an der Leine hinaus an den Strand, den sie noch nie so leer gesehen hat. „Es ist schon komisch hier, so ganz ohne Gäste“, gibt sie zu. Damit die Feriengäste nicht ganz ohne Strandgymnastik auskommen müssen, hat sie gleich einige Videos aufgenommen. „Es sind kleine Sequenzen von jeweils circa zehn Minuten, bei denen jede/r jederzeit einsteigen und mitmachen kann. Vorkenntnisse braucht es keine“, erklärt sie.

Seit Anfang April stehen die Videos auf Facebook zum Anschauen und Mitmachen bereit, wo auch die Yoga-Lehrerin Konny Rippe kleine Yoga-Einheiten am Strand von Juist zeigt.

 

Hoffnung für die Inseln?

Die Verantwortlichen bitten Gäste derweil darum, die Inseln zu unterstützen, indem sie gebuchten Urlaub nicht stornieren, sondern verschieben oder in einen Gutschein umwandeln lassen.

In der heutigen Videokonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der Ostfriesischen Inseln stellte Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann einen Vorschlag zur stufenweisen Wiederöffnung des Tourismus vor. Demnach sollen ab Anfang Mai in einem ersten Schritt zunächst die privaten Zweitwohnungen und in einem zweiten Schritt dann Campingplätze und Ferienwohnungen öffnen. In einem dritten Schritt könnten kleine Beherbergungsbetriebe und Hotels unter der Auflage einer geringen Auslastung nachziehen.

„Den Ostfriesischen Inseln kommt aufgrund ihrer Lage hierbei eine Sonderrolle zu, durch die sie für eine Wiederöffnung mehr Vorbereitungszeit brauchen“, so Althusmann und weiter: „Wir haben uns daher darauf verständigt, dass ich mich bei der Einbringung dieses Vorschlags zusätzlich für eine kommunale Sonderregelung der Inseln einsetze. Entscheidend ist hierbei, dass wir den Tourismus schrittweise wieder aufnehmen, sodass die Inseln nicht von einer Reisewelle überrollt werden und es im allerschlimmsten Fall zu einem erneuten Lockdown kommen muss. Daher muss vorher auch ein klarer Pandemieplan zum Schutz sowohl der Inselbewohner als auch der Besucher erstellt werden.“

Die Umsetzung dieses Konzepts ist allerdings abhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen sowie den gemeinsamen Regelungen der Länder und des Bundes – und auch nur unter strengen Hygieneauflagen umzusetzen, wie der Wirtschaftsminister zu bedenken gibt.

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